banner startseite

Veranstaltungen PSVR

Keine anstehende Veranstaltung

Logo LRFS transparent

Qualitätsbündnis Sport

Logo Qualitaetsbuendis Wir sind auf dem Weg

Partnerschaftliche Verbindung zwischen Tierärzteschaft und PSVR

Im November 2022 gab es eine Anpassung der Gebührenordnung für Tierärzte, kurz GOT. In dieser Gebührenordnung wird sehr detailliert festgelegt, wie ein Tierarzt seine Behandlung abzurechnen hat. So soll es zu einem bundesweit einheitlichen Preisniveau für tierärztliche Leistungen kommen. Abgerechnet werden kann im einfachen, zweifachen oder dreifachen Satz. Im Notdienst besteht die Möglichkeit den vierfachen Satz anzuwenden. Bekannt ist dieses Konzept auch aus der Humanmedizin, denn auch hier kann ein Arzt die Preise für seine erbrachten Leistungen nicht einfach willkürlich bestimmen. Sowohl in der Humanmedizin, als auch in der Tiermedizin sind alle Ärzte gesetzlich verpflichtet, die Mindestsätze einzuhalten. Die Anpassung der GOT verursachte in der Pferdeszene eine große Welle der Empörung. Zusätzlich zu den eh schon an allen Ecken und Enden steigenden Kosten sahen sich viele Pferdebesitzer von einem erneuten Preisanstieg bedroht. Viele befürchteten sich einzelne Behandlungen nicht mehr leisten und damit das Wohlergehen ihrer Vierbeiner nicht mehr an erste Stelle positionieren zu können. „Sehr schnell erreichten uns Aufforderungen dazu, gegen diese Erhöhung der Kosten vorzugehen“, berichtet André Kolmann. Der Vorstand des Pferdesportverband Rheinland nahm diese Bedenken der Pferdebesitzer vom ersten Tag an sehr ernst, vernahm aber auch schnell, dass sich die ganze Situation gespickt mit vielen Falschaussagen und Fehlinformationen schnell zu einer Hetzkampagne gegen die Tierärzteschaft entwickelte. „In der heutigen Zeit werden vor allem in den sozialen Medien viele Halbwahrheiten, teilweise sogar Lügen verbreitet. Und auch bei diesem Thema kochten die Emotionen viel zu schnell hoch“, erklärt er weiter. Der PSVR hat sich deshalb sofort dazu entschieden, sich zwar im Hintergrund ausführlich mit der Thematik auseinanderzusetzen, dabei aber stets darauf zu achten sich nicht einfach auf eine Seite zu schlagen. „In dem Moment den schwarzen Peter einfach nur den Tierärzten zuzuschieben und eine sofortige Zurücknahme der Veränderungen der GOT zu fordern wäre zwar einfach gewesen und hätte uns sicherlich viel Zuspruch aus der Pferdeszene verschafft, ich halte diese Sichtweise aber nicht nur für falsch, sondern auch für sehr gefährlich“, macht Kolmann klar. Denn kein Pferdemensch sollte an dieser Stelle vergessen, wie sehr wir alle auf die Tierärzte angewiesen sind. In vielen Bereichen werden Preissteigerungen seit Jahren hingenommen, und teilweise durch das Konsumverhalten massiv unterstützt. Wenn man sich anschaut, wie die Preise für verschiedenes Equipment angestiegen sind, und wie wenig Aufruhr hier vonstattengeht, dann sollte man sich durchaus die Frage gefallen lassen ob eine medizinisch gute Versorgung, oder das neuste Outfit die höhere Priorität haben sollten.

Erstmalig seit 1999 – das sind 23 Jahre – wurde die GOT überarbeitet. Dies war in vielen Bereichen auch dringend nötig, denn zahlreiche neuere medizinische Verfahren fanden in der geltenden Gebührenordnung keine Erwähnung, weil es sie schlicht und ergreifend 1999 noch gar nicht gab. Darüber hinaus wurden Werte angesetzt, die zu der damaligen Zeit passten und die damaligen Kosten für das wirtschaftliche Führen einer Tierarztpraxis oder Klinik beeinflussten. Doch auch vor der Tiermedizin haben die allgemeinen Preissteigerungen von über 20 Jahren keinen Halt gemacht. Die Kosten sind auch hier gestiegen und das hat sich besonders auf die Arbeitsbedingungen von Tierärzten und Tiermedizinischen Fachangestellten ausgewirkt. Es gab zwar sowohl 2008, als auch 2017 eine pauschale prozentuale Erhöhung und 2020 wurde eine Notdienstgebühr eingeführt, doch das Grundgerüst wurde nicht angepasst. Der Sorge vieler Pferdebesitzer, dass die Erhöhung der Kosten für eine Behandlung dazu führt, dass Pferde weniger behandelt werden, muss man entgegenstellen, dass ein hohes Qualitätsniveau der tierärztlichen Leistungen ganz klar dem Tierschutz dient. Die GOT gibt es, damit der Wettbewerb zwischen Tierärzten nicht auf der Basis der Behandlungspreise, sondern auf Basis des Niveaus der Behandlung stattfindet. Und trotzdem gibt die GOT nur einen Rahmen vor, innerhalb dessen sich die Tierärzte bei der Abrechnung bewegen können. Einen Pauschalpreis für Behandlung X kann es dabei auch nicht geben, denn jedes Krankheitsbild kann sich in unterschiedlichsten Ausprägungen zeigen und erfordert damit auch unterschiedlichen Aufwand des Behandlers. Die Preisvergleiche, die nach Anpassung der GOT besonders im Internet zu finden waren, sollte man deshalb in großen Teilen auch mit der notwendigen Vorsicht betrachten. Hier wurden zum Teil Behandlungen miteinander verglichen, die in Art und Aufwand absolut nicht vergleichbar waren. Das führte schnell zu einer Hetzkampagne gegen einzelne Tierärzte aber auch gegen die ganze Tierärzteschaft. „Dass die Preise gestiegen sind streitet natürlich niemand ab. Und dass dies in einzelnen Bereichen ganz sicher auch nur schwer zu stemmen ist, sollte auch Jedem klar sein. Die einzelnen Tierärzte aber so massiv anzugehen ist in der Situation aber ganz sicher der falsche Ansatz“, macht André Kolmann klar. Von Beginn an stand er im engen Austausch mit der Tierärztekammer Nordrhein, mit einzelnen praktizierenden Tierärzten und natürlich auch mit Reitern und Pferdebesitzern. In den Gesprächen zeigte sich, dass Eines besonders wichtig ist: Die Situation GEMEINSAM zu betrachten und nicht gegeneinander zu arbeiten. Denn die Veränderungen der GOT hat sich niemand alleine ausgedacht. Sie liegen einer Studie zugrunde, bei der die Wirtschaftlichkeit von Tierarztpraxen untersucht wurde. Hier wurde festgestellt, dass mit der alten Gebührenordnung in sehr vielen Bereichen nicht wirtschaftlich gearbeitet werden kann. Der Fachkräftemangel hält seit Jahren auch in der Tiermedizin Einzug. Und wenn es am Ende nicht mehr genug Tierärzte gibt, die besonders im Notfallbereich passend zur Stelle sind, ist das eine Entwicklung die man getrost als fatal bezeichnen kann. „Wir haben es rund um die Erhöhung der GOT mit immer stärker verhärtenden Fronten zu tun“, beobachtet André Kolmann nun seit Monaten. Seiner Meinung nach liegt das daran, dass die verschiedenen Parteien sofort in den Konfrontationsmodus gestiegen sind und kaum ein Ohr für die andere Seite aufbrachten. „Es ist absolut verständlich, dass die Tierbesitzer bei teilweise massiv erhöhten Preisen keinen Beifall klatschen und dass die Sorge entsteht, die tierärztliche Versorgung der Pferde nicht mehr garantieren zu können. Dann aber sofort Alles zu verteufeln und zum unüberlegten Gegenangriff auszuholen ist ganz sicher ebenfalls der falsche Weg“, macht Kolmann klar. Er unterstreicht dabei auch die Rolle des PSVR in Bezug auf die durch die FN initiierte Petition gegen die GOT: „Die Verbandsstrukturen innerhalb der Deutschen Reiterlichen Vereinigung sind demokratisch. Das heißt, dass hier viele Stimmen auf den Tisch kommen und die Mehrheit in den meisten Fällen die Marschrichtung vorgibt. Das ist im Grundsatz auch richtig und wichtig. Es bedeutet aber auch, dass der Pferdesportverband Rheinland nicht automatisch alle Dinge, die auf höherer Ebene entschieden werden mit einer Zustimmung unterstützt hat.“ So auch bei der Petition gegen die GOT. „Hier muss man verstehen, dass die abschließende veröffentlichte Meinung der FN nicht automatisch auch die Meinung und Vorgehensweise hier auf Landesverbandsebene wiederspiegelt“, macht Kolmann an dieser Stelle deutlich. Er sieht in der Kampagne gegen die Tierärzteschaft nicht nur eine Gefahr für den allgemeinen Behandlungsalltag, sondern insbesondere auch für die Veranstaltung von ländlichen Turnieren. „Es ist schlicht und ergreifend nicht richtig, dass Tierärzte die für einen geringen Lohn ihr Wochenende opfern auf den Veranstaltungen massiv angegangen werden und sich von Reitern, Veranstaltern oder Richtern horrende Vorwürfe oder aber auch „nur“ dummer Sprüche anhören müssen“, stellt er sich in dem Moment auf die Seite der Tierärzte. „Es muss klar verstanden werden, dass wir alle gemeinsam für das Tierwohl einstehen müssen und nur gemeinsam mit allen Parteien Turnierveranstaltungen durchführen können. Dazu gehört auch, dass die Leistung der Tierärzte entsprechend anerkannt wird und dies nicht nur auf monetärer Ebene.“ Dabei ist ihm klar, dass die Kosten für Turniere von vielen Vereinen nur noch schwer zu stemmen sind. Jetzt aber einen Kampf gegen die Tierärzte zu führen wird allerdings nicht dazu führen, dass es leichter wird ein Turnier auf die Beine zu stellen. „Wir dürfen nicht vergessen was es für eine Tierarztpraxis bedeutet, einen Tierarzt für ein ganzes Wochenende zur Verfügung zu stellen. Denn parallel müssen auch der Notdienst und auch der normale Dienst unter der Woche weiterhin gewährleistet werden. Viele Praxen bieten den Turnierdienst aus reiner Liebe zum Sport an. Wenn die einzelnen Personen dann auf den Turnieren massiv angegangen werden, ist es sicherlich verständlich, dass diese Liebe zum Sport schnell schwindet“, gibt der PSVR Vorstand zu bedenken. „Wir stehen hier vor einer sehr schwierigen Situation, die man nicht mal eben aus der Welt schaffen kann. Deshalb sind wir weiterhin bemüht mit allen Beteiligten im offenen Austausch zu bleiben, um gemeinsam Lösungen zu finden die für beide Seiten umsetzbar sind“, erklärt er weiter. Denn in vielen Gesprächen mit einzelnen Tierärzten stach schnell heraus: Die Anpassung der GOT war längst überfällig, mit jeder einzelnen Veränderung sind aber auch viele Tierärzte nicht ganz glücklich. „Wenn die Parteien mehr miteinander statt übereinander reden würden, würden Viele schnell feststellen, dass – obwohl es teilweise einen anderen Anschein macht – von beiden Seiten viel Verständnis für die andere Seite gibt“, berichtet Kolmann. Und auch das Ergebnis der Petition zeigt: Ein Großteil der Pferdesportler hat sie nicht unterschrieben. Das heißt nicht, dass die Gebührenordnung so bleiben sollte wie sie ist. Es heißt aber auch, dass ein offener Kampf gegen die Tierärzteschaft nicht das ist, was die meisten Pferdemenschen wollen.

In der Maiausgabe der Rheinlands Reiter + Pferde wird es noch eine ausführlichere Berichterstattung mit verschiedenen Stimmen aus der Tierärzteschaft und der Reiterwelt geben.